EXYLE

März / April 2008

Atacama

Solo durch die trockenste Wüste der Welt

600 Kilometer zu Fuß durch das menschenleere Herz der Atacama – ohne motorisierte Unterstützung, auf historischer Route und mit Wasser aus alten Quellen.

Zu Fuß durch die trockenste Wüste der Welt

»Dieser Weg wird nicht sehr oft begangen, und nur jemand auf der Flucht oder ein Mensch ohne Hoffnung unterzieht sich freiwillig solchen Strapazen.«

Reginaldo de Lizárraga, 1605

Viele Jahrhunderte durchquerten Reisende die Wüste Atacama entlang einer Route, die erstmals von den Inka im 15. Jahrhundert erforscht und ausgebaut wurde. Mitte des 18. Jahrhunderts stellte die Strecke durch die Wüste Atacama die einzige Landverbindung zwischen dem heutigen Nord- und Zentralchile dar. Im Winter 1853/54 erforschte der nach Chile ausgewanderte deutsche Naturforscher Rudolph Amandus Philippi im Auftrag der chilenischen Regierung diese Route quer durch die Atacama. Seit dem Bau der Panamericana nahe der Pazifikküste fiel die alte Route in Vergessenheit.

Ziel war eine Solo-Durchquerung des unbewohnten Herzstückes der Wüste Atacama ohne motorisierte Unterstützung über eine Gesamtstrecke von 600 km. Die Strecke folgte historischen Reiseberichten, Startpunkt war die Oase San Pedro de Atacama. Sämtliche Ausrüstung und Nahrung für drei Wochen wurde per Rucksack transportiert. Die Wasserversorgung erfolgte an historisch belegten Quellen in der Wüste, die anhand der Angaben von R. A. Philippi und mit Hilfe von GPS gefunden wurden.

Die Strecke wurde bewusst im Vorfeld nicht erkundet, die Wanderung war daher ein Aufbruch ins Ungewisse. Nur spärliche Informationen waren über die historischen Wasserquellen zu finden. So konnte nicht mit absoluter Sicherheit davon ausgegangen werden, dass an den angesteuerten Punkten auch wirklich Wasser zu finden war. Der erste Teil wurde dadurch zu einer psychischen Grenzerfahrung. Wasserknappheit, Zeitverzug und die Weite der Atacama führten zu Panikattacken und schließlich zum Rückzug in die Oase Peine.

Wasserstelle in der Atacama
Wasserstellen entscheiden den Weg

Mit neuem Respekt vor der Wüste ging es anschließend erneut hinaus. Ein französisches Filmteam setzte mich etwa 20 km vor der Quelle Puquios ab, ungefähr an dem Punkt, an dem ich wenige Tage vorher umgekehrt war. Mit ausreichenden Wasservorräten dank der gefundenen Quellen – alle der von Philippi vor 150 Jahren angegebenen Quellen führten tatsächlich Wasser, wenn auch weniger als damals – gelang diesmal die Durchquerung der Atacama zu Fuß.

Ziel war die Minenstadt El Salvador. Die tägliche Kilometerleistung schwankte zwischen 17 und 42 km, auf Höhen bis zu 4300 m über dem Meer. Das Gewicht des Rucksackes betrug maximal 43 kg. Als einzige Kommunikationsmöglichkeit zur Außenwelt wurde ein Satellitentelefon für Notfälle mitgeführt. Wichtige Ausrüstungsgegenstände waren widerstandsfähige Wassersäcke, Wasserfilter, ein Entsalzungshandgerät sowie Trekkingstöcke.

Hochland der Atacama
Hochland der Atacama

Dass eine Durchquerung der Atacama kein Spaß ist, machten Dutzende Gräber entlang des Weges klar. Schon die Spanier berichteten im 16. Jahrhundert, dass der Weg mit Knochen übersät war. Es war auch für mich nicht möglich, ausreichend Lebensmittel für eine solche Wanderung mitzuführen, so musste ich den größten Teil aus körpereigenen Energiereserven beziehen. Das Ergebnis war ein Gewichtsverlust von 13 kg bei 85 kg Startgewicht. Dieser zentrale Teil der Atacama ist „despoblado“ – menschenleer, unbewohnt, verödet – und zwar in einer Ausdehnung von der Größe Bayerns.

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