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Per Laufmaschine nach Paris


»Der Erfinder der Laufmaschinen, Freyherr von Drais, [...] will durch angestellte Versuche die Behauptung seiner Gegner wiederlegen, dass man mittels seiner Maschine in 14 Tagen wirklich - 14 Stunden zurücklegen könne.«

Augsburger Ordinari Postzeitung, 2. November 1818


Vor 200 Jahren präsentierte der Großherzogliche Badensche Forstmeister Herr Karl von Drais der Öffentlichkeit auf einer Fahrt in Mannheim seine neue Erfindung: die 'Laufmaschine', ein Laufrad mit zwei Rädern und beweglicher Lenkstange. Karl Drais erhielt im Januar 1818 für seine Erfindung ein großherzogliches Privileg (Patent) in Baden und im Februar 1818 ein dementsprechendes 'brevet' in Paris. Die Laufmaschine gilt heute als Urform des Fahrrades und das Jahr 1817 als Geburtsjahr der automobilen Fortbewegung.

Im März 1818 machen sich mehrere Personen von Baden auf, um Laufmaschinen nach Paris zu bringen, welche dort vorgestellt werden sollen. Mitte März passieren die Laufmaschinen Straßburg, vor Ostern 1818 treffen sie in Paris ein. Demnach wäre diese Fahrt von Mannheim nach Paris die erste mehrtägige Radreise, die es jemals gegeben hat. Ob Karl von Drais bei dieser Reise dabei war, ob die Reise komplett oder nur auf Abschnitten per Laufmaschine zurückgelegt wurde, ist nicht überliefert. Fakt ist, dass Laufmaschinen vor Ostern 1818 in Paris 'angekommen' sind. Bekannt ist auch, dass Karl Drais nebst Bediensteten ausgedehnte Fahrten auf seiner Erfindung durchführte. Im Oktober 1818 stellt Drais selber fest, dass man solch eine Strecke durchaus bewältigen könne, was er selbst 'durch angestellte Versuche' belegen wollte.

Doch was bedeutet es und wie war es möglich mit einer solchen hölzernen Laufmaschine, Draisine, Draisienne oder Velocipede die ungefähr 700 km lange Strecke von Mannheim nach Paris in 14 Tagen zurückzulegen? Hielt die Konstruktion den schlechten Straßenbedingungen, dem widrigen Wetter im März stand? Um dies herauszufinden haben wir solch eine Reise unter authentischen Bedingungen nachvollzogen: auf original rekonstruierten Laufmaschinen, unter vergleichbaren Wegbedingungen zur selben Jahreszeit mit einer Bekleidung wie sie damals üblich war. Fazit: es tut weh. Und von zwei gestarteten Fahrern kam nur einer in Paris an. Zudem war es uns nicht möglich die komplette Strecke zu fahren, zu schmerzhaft das lange Sitzen auf den rosshaargepolstertem Sattel, zu langsam die Fortbewegung.

Unzweifelhaft war die Erfindung der Laufmaschine eine innovative Meisterleistung, dennoch eignete sie sich mehr zum Fahren im Park als auf langen Überlandstrecken. Dass mit solchen Laufmaschinen mehrtägige Reisen unternommen worden sind ist wohl eher eine moderne romantische Verklärung der Geschichte. Wer es nicht glaubt ist eingeladen auszuprobieren wie es sich anfühlt mehrere Tage mit solch einer Maschine auf Eisenreifen unterwegs zu sein...


Jahr März 2018
Distanz 470 km (Laufmaschine), 230 km (Autotransport)
Dauer 14 Tage
Ort Deutschland, Frankreich
Route Mannheim - Straßburg - Nancy - St. Dizier - Chalons sur Champagne - Epernay - Paris
Team Frank Hülsemann, Achim Schmidt