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Auf den Spuren der Botenläufer der Inka


»Pizarro fragte Atahualpa, wie lange seine Boten brauchten, um die 1500 Kilometer lange Strecke bis zur Stadt Cusco zurückzulegen. Atahualpa antwortete: Wenn die Chasquis ausgesandt werden, laufen sie von Posten zu Posten, von Dorf zu Dorf; fünfzig in rollendem Einsatz, es wird fünf Tage dauern.«

Pedro Cieza de Leon (1541)


Die Inka schufen im 15. Jahrhundert das bedeutendste Reich in Südamerika vom Äquator bis ins heutige Chile. Sie erbauten ein ausgedehntes Netz befestigter Straßen mit einer Gesamtlänge von 25000 Kilometern. Auf diesem Straßennetz unterhielten sie ein Netz von Läuferboten, die am Tage bis zu 380 Kilometer zurücklegten. So konnten Meldungen innerhalb von einer Woche aus den entferntesten Gebieten des Reiches zur Hauptstadt Cusco in den Anden gelangen.

Fast 500 Jahre nach dem Untergang des Inkareiches und dem Verschwinden der Botenläufer der Inka - den 'chasqui' - starteten im März 2005 sieben Langstreckenläufer auf einen Staffellauf quer durch die südamerikanischen Anden. Ihr Ziel war es in gut drei Wochen so viel Kilometer wie möglich in einem Staffellauf entlang der alten Inkastraßen und auf den Spuren der chasqui zurückzulegen. Von Chile über Bolivien nach Peru und weiter nach Ecuador, quer durch das alte Reich der Inka. Die Route verlief durch die trockenste Wüste der Welt, der Atacama, über den Altiplano, vorbei am Titicaca-See zur alten Hauptstadt der Inka: Cusco. Weiter durch die tief eingeschnittenen Andentäler durch Peru und entlang des Capac Nan, dem Hauptverbindungsweg des Inkareiches nach Norden. Die Herausforderung liegt neben der reinen körperlichen Leistung in der Logistik so eines Staffellaufes: Wie schaffen wir es die Läufer rechtzeitig an die vereinbarten Treffpunkte zu bringen, wie finden die Läufer ihren Weg in dem ihnen unbekannten Gelände? Wie verkraften sie das Laufen in einer Höhe von bis zu 4600 Metern über dem Meer? Werden wir die alten Straßen der Inka finden und wie werden uns die Einheimischen, die Nachfahren der Inka, aufnehmen? Vor Beginn des Staffellaufes stellten sich mehr Fragen als wir Antworten hatten. So wollten wir auch die Frage beantworten, in wie fern die überlieferten Geschwindigkeiten der Nachrichtenübermittlung in der Inkazeit realistisch waren und von uns zu erbringen sind.

Drei Wochen und 3500 gelaufene Kilometer später liegen wir uns in Mitten der peruanischen Anden in den Armen. Erschöpft aber glücklich beenden wir in der Ruinenstadt Pumpu in Zentralperu unseren Staffellauf. Hinter uns liegen drei knochenharte Wochen, an denen jeder an seine Grenzen gehen musste. Ob bei der Durchquerung der Atacama, beim Herausgraben der Begleitfahrzeuge aus dem Schlamm des Salar de Uyuni oder bei Diskussionen mit aufgebrachten bolivianischen Bauern. Wir waren in der Lage trotz aller Widrigkeiten eine mittlere Laufgeschwindigkeit von 11 km/h zu erzielen, in einer durchschnittlichen Höhe von über 3000 Meter über dem Meer. Bei Etappen von bis zu 65 km für die einzelnen Läufer in teilweise extrem unwegsamen Gelände raubte nicht selten die Sorge um den Läufer dem Rest des Teams den letzten Nerv. Doch das Ergebniss kann sich sehen lassen: bis auf wenige kleine Lücken waren wir in der Lage dem Verlauf der Inkastraßen quer durch die Anden zu folgen und die von den Chronisten des 16. Jahrhunderts überlieferten Laufgeschwindigkeiten zu erzielen.

Jahr März/April 2005
Distanz 3500 km
Dauer 4 Wochen
Ort Chile, Bolivien, Peru
Route Copiapo - San Pedro de Atacama - Ollagüe - Salar de Uyuni - Titicaca-See - Cuzco - Junin
Team Frank Hülsemann, Hermann Ulrich, Carsten von Kuk, Marc von Kuk, Birgit Bartels, Markus de Marees, Sven Schultz