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Bikesteigen


»... aber es gibt Stellen, die sind so steil, da ist das [Radfahren] rein physikalisch gar nicht mehr möglich. Hier fährt kein Mensch Rad.[...] Es gibt halt physikalische Grenzen.«

Guido Kunze, am Ojos del Salado, Chile 2014


Anfahrt zum Theodulpass, Alpen


auf dem Theodulpass 3295 m, Grenze Italien/Schweiz


weicher Schnee auf dem Theodulgletscher


Vorteil des Rad-Fahrens gegenüber dem des Rad-Schiebens...


Fast jeder Radfahrer kennt das: irgendwann kommt man an eine Steigung, da kann man/frau nicht mehr hochfahren. Es fehlt die Kraft, die Beschleunigung, das Hinterrad rutscht durch, das Vorderrad kommt hoch. Mit dem Trend zum E-Bike sind viele Herausforderungen für jeden machbar. Solange der Akku hält kann man fahren, Steigungen sind kein Problem mehr. Und so kann fast jeder Winkel dieser Erde mit Motor radfahrerisch erreicht werden. Fast jeder. Üblicherweise bewegen wir uns als Radfahrer auch befestigten Wegen oder Pfaden. Manche dieser Wege und Pfade führen sehr hoch, sehr sehr hoch. Und immer wieder gibt es Fahrer, die versuchen diese hohen Wege mit dem Fahrrad zu bewältigen. So auch wir 2010 am Ojos del Salado. Schon vor uns waren Radfahrer dort und haben ihr Gefährt mit unter bis zum Gipfel getragen. Und nach uns kamen weitere, mit Fatbike oder Akku. Alle erlebten es ähnlich wie wir: oberhalb von 5000 Metern ist es nur in Ausnahmesituationen möglich bergauf zu fahren. Klar könnte man schieben, aber es heisst ja immer noch Fahr-rad und nicht Schiebe-rad.

Manch einer vermutet am Ojos del Salado schon an die Grenzen der Physik angekommen zu sein. Manch einer versucht, ganz woanders hoch zu fahren. Und manch einer weiß es eh besser und erklärt, dass es unmöglich ist am Ojos del Salado mit dem Fahrrad hochzufahren. Alles legitim, alles nachvollziehbar. Aber sind wir alle, die wir uns an den Vulkanen Südamerikas oder im Himalaya versucht haben, wirklich konsequent vorgegangen? Wieso setzen wir uns jenseits von 4000 Meter Höhe auf Fahrräder, die dafür konzipiert sind im Schwarzwald, den Alpen oder auf dem Rheinuferradweg eine gute Figur zu machen? Was ist, wenn man die Schwächen der handelsüblichen Mountainbikes was die Bergauffahrfähigkeit angeht, ausbügeln würde? Schließlich gibt es "Downhill-Bikes". Wieso nicht auch - zumindest ein - "Uphill-Bike"?

Ich habe in den Corona-Monaten viel überlegt, gerechnet und mit Kollegen an der DSHS Köln gesprochen. Parallel war ich unzählige Stunden in der Garage an der Werkbank und alte Rahmen wurden zerlegt und wieder neu zusammengebaut. Ich habe mit meinen Sponsoren geredet und diskutiert, habe den Gebrauchtmarkt nach alten Fahrradteilen durchforstet und geschliffen, gesägt und gebohrt. Und es hat wieder einmal viel länger gedauert als ursprünglich gedacht. Aber jetzt im Spätsommer 2021 war der erste wirkliche Test erfolgreich: die Befahrung des als unfahrbar geltenden Theodulpass (3295 m) in den Alpen. Mit Steigungen bis zu 40 % auf Schotter. 100 % gefahren, kein Meter geschoben.


Jahr seit Winter 2019/20
Höhe bis jetzt 3295 m
Dauer unbekannt
Ort die Hochgebirge dieser Erde